

(слова: Дмитрий Садовников)
Das scheint wirklich so oder so ähnlich passiert zu sein; irgendwann im Sommer 1669 im Wolgadelta, in der Nähe von Astrachan.
Im südlichen Rußland lebten damals – wie auch früher schon und später noch – die sogenannten Don-Kosaken; ein schwer zu definierendes Volk, Russen und auch hinwiederum nicht Russen; vielleicht überhaupt eher durch einen spezifischen Geist denn durch Genetik bestimmt. Die Kosaken gehörten zum Moskauer Reich, waren aber doch relativ autonom. Wie es in einem alten Kosakenlied heißt: „Doch auch stolz ist unser Don, unser stiller Don, unser Väterchen; den Heiden hat er sich nicht gebeugt; und auch in Moskau hat er nicht gefragt, wie er zu leben hat.“[1]
Leibeigenschaft gab es keine am Don; nebenbei bemerkt ein Vorteil, den der wilde Süden zu jenen Zeiten noch sich mit dem disziplinierteren Norden teilte: auch in den ausgedehnten Ländereien des Solowjezki-Klosters gab es sowas nicht. Leibeigenschaft gab es in den näher an Moskau gelegenen Gebieten; und die wurde, vor allem nach Herausgabe der berühmt-berüchtigten Gesetzessammlung von 1649, immer unerträglicher; und wer es schaffte, entzog sich solchem Leben durch Flucht.
Durch die wachsenden Flüchtlingsströme herrschte in jenen Jahren am Don ein furchtbares Gedränge; und dieses Gedränge führte zu gewissen Problemen; einerseits, weil die Leute sich ja irgendwie sinnvoll beschäftigen sollten und auch von irgendwas leben mußten; andererseits auch, weil Moskau immer energischer von der kosakischen Führungsschicht die Rückführung der Flüchtlinge forderte.
In diesem Zusammenhang trat dann der Held unseres Liedes auf den Plan. Stenka Rasin gehörte eigentlich der kosakischen Führungsschicht an; aus einer Reihe von Gründen war er sogar als Ataman, oder, wie man das heute nennen würde, Oberbefehlshaber vorgesehen; doch dann begann er, auf seine Weise, sich für die Flüchtlinge zu engagieren. 1667 führte er – um, wie er sich ausdrückte, den Leuten was zum Essen zu verschaffen – ein um die 2000 Mann starkes Kontingent auf kleinen Schiffen die Wolga hinunter ins kaspische Meer, wo sie die persische Küste plünderten. Im Sommer 1669 kehrte er zurück nach Rußland; machte Halt in Astrachan; und eben während dieser Zeit passierte das weiter unten besungene.
Nach seinem berühmten persischen Feldzug unternahm er, nebenbei bemerkt, dann seinen noch berühmteren Zug gegen Moskau, um die Leibeigenschaft mitsamt den sie tragenden Bojaren auszurotten; doch irgendwie funktionierte das nicht so richtig; und im Juni 1671 wurde er in Moskau hingerichtet.
Bei der in dem Lied eine solch traurige Rolle spielenden Person handelt es sich, scheint's, um die Tochter eines persischen Flottenführers, dessen Flotte südlich von Baku von den Kosaken versenkt worden war.
Das wär, in allgemeinen Umrissen, das wichtigste.
Zur Sache kommend:
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Из-за острова на стрежень[2], |
Hinter einer Insel hervor, in die Fahrrinne, |
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На простор речной волны |
Auf die Freiheit der Flusseswelle |
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Выплывают расписные |
Schwimmen hervor bemalte |
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Острогрудые челны. |
Spitzbugige Schiffe. |
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На переднем Стенька Разин, |
Auf dem vordersten Stenka Rasin, |
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Обнявшись[3], сидит с княжной, |
umarmt, sitzt mit der Prinzessin, |
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Свадьбу новую справляет |
Seine neue Hochzeit feiert |
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Он, весёлый и хмельной. |
Er, lustig und berauscht. |
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Позади их слышен ропот: |
Hinten hört er Murren: |
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«Нас на бабу променял, |
„Er hat uns gegen des Weib vertauscht, |
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Только ночь с ней провожался, |
nur eine Nacht hat er mit ihr verbracht, |
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Сам на утро бабой стал». |
Er selbst am Morgen zum Weib wurde. |
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Этот ропот и насмешки |
Dieses Murren und Gespöttel |
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Слышит грозный атаман, |
hört der gewaltige Ataman |
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И могучею рукою |
Und mit mächtiger Hand |
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Обнял персиянки стан. |
Umfaßte er der Perserin Gestalt |
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Брови чёрные сошлися, |
die schwarzen Brauen zogen sich zusammen |
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Надвигается гроза. |
Es zieht sich zusammen ein Gewitter |
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Буйной кровью налилися |
Mit wildem Blut unterliefen sich |
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Атамановы глаза. |
Des Atamans Augen |
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«Ничего не пожалею, |
„Nichts verschone ich, |
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Буйну голову отдам!» |
Mein wildes Haupt geb ich hin!“ |
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Раздаётся голос властный |
Ertönt die machtvolle Stimme |
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По окрестным берегам. |
Über die angrenzenden Ufer. |
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«Волга, Волга, мать родная, |
Wolga, Wolga, heimatliche Mutter, |
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Волга – русская река, |
Wolga – russischer Strom, |
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Не видала ты подарка |
Du sahest kein Geschenk |
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От донского казака! |
Von einem Donkosaken! |
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Чтобы не было раздора |
Damit nicht sei Streit |
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Между вольными людьми, |
zwischen freien Leuten, |
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Волга, Волга, мать родная, |
Wolga, Wolga, heimatliche Mutter, |
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На, красавицу прими!» |
Da, nimm die Schöne hin!“ |
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Мощным взмахом поднимает |
Mit mächtigem Griff hebt er hoch |
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Он красавицу княжну |
Die schöne Prinzessin |
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И за борт её бросает |
Und über Bord wirft er sie |
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В набежавшую[4] волну. |
In die herangeeilte Welle. |
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«Что ж вы, братцы, приуныли? |
„Was ihr, Brüderchen, wurdet betrübt? |
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Эй ты, Филька, чёрт, пляши! |
He du, Filka, Teufel, tanze! |
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Грянем песню удалую |
Singen wir ein verwegenes Lied |
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На помин её души!..» |
Zum Gedenken an ihre Seele!“ |
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Из-за острова на стрежень, |
Hinter der Insel hervor, in die Fahrrinne, |
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На простор речной волны |
Auf die Freiheit der Stromeswelle |
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Выплывают расписные |
Schwimmen hervor bemalte |
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Острогрудые челны. |
Spitzbugige Schiffe. |
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Из-за острова на стрежень,
На простор речной волны
Выплывают расписные
Острогрудые челны.
На переднем Стенька Разин,
Обнявшись, сидит с княжной,
Свадьбу новую справляет
Он, весёлый и хмельной.
Позади их слышен ропот:
«Нас на бабу променял,
Только ночь с ней провожался,
Сам на утро бабой стал».
Этот ропот и насмешки
Слышит грозный атаман,
И могучею рукою
Обнял персиянки стан.
Брови чёрные сошлися,
Надвигается гроза.
Буйной кровью налилися
Атамановы глаза.
«Ничего не пожалею,
Буйну голову отдам!» -
Раздаётся голос властный
По окрестным берегам.
«Волга, Волга, мать родная,
Волга – русская река,
Не видала ты подарка
От донского казака!
Чтобы не было раздора
Между вольными людьми,
Волга, Волга, мать родная,
На, красавицу прими!»
Мощным взмахом поднимает
Он красавицу княжну
И за борт её бросает
В набежавшую волну.
«Что ж вы, братцы, приуныли?
Эй ты, Филька, чёрт, пляши!
Грянем песню удалую
На помин её души!..»
Из-за острова на стрежень,
На простор речной волны
Выплывают расписные
Острогрудые челны.
[1] «Но и горд наш Дон, тихий Дон, наш батюшка. Басурманину он не кланялся; у Москвы, как жить, не спрашивался.»
[2] Стрежень: schiffahrtstaugliche tiefe Rinne im Flußbett. – Из-за: hinter etwas hervor; ähnlich wie из-под (unter etwas hervor); beide Präpositionen regieren den Genetiv.
[3] Обняться – sich umarmen. Ein perfektives Verb. Обнялись – sie haben sich umarmt; und nun ist das Resultat vorhanden, und sie sitzen Arm in Arm. Entsprechend das Partizip Perfekt Aktiv «обнявшись», sich umarmt habend, in Umarmung dasitzen.
[4] Набежавшая волна. Ein etwas merkwürdiges bis makaberes Bild. Versuchen wir es zu deuten. Набежать heraneilen, oder auch zusammenströmen. Ein perfektives Verb; набежавшая волна, als Partizip Perfekt Aktiv: die herangeeilt seiende, oder auch: zusammengeströmt seiende Welle. Normalerweise, wenn man so vor sich hin schippert, kommen und gehen die Wellen ja, ohne daß diese oder jene sich besonders hervortun würde. Vielleicht will der Dichter damit zum Ausdruck bringen, daß die Wolga aufgrund der vorangehenden Ankündigung ihre Wellen an jener Stelle zusammenzieht, um das Opfer in Empfang zu nehmen; weiß nicht.